Die Brennweite gehört zu den wichtigsten Werkzeugen der Bildgestaltung. Mit dem Einsatz verschiedener Brennweiten lassen sich Perspektiven verändern und der Schärfeverlauf im Bild beeinflussen.
Die Brennweite ist die Distanz zwischen der Objektivebene und der Aufnahmeebene (Sensor oder Film). Mit anderen Worten ausgedrückt: Bei einer Optik mit 50 Millimetern Brennweite muss das Objektiv einen Abstand von 50 Millimetern zur Aufnahmeebene haben, damit ein unendlich weit entferntes Motiv scharf abgebildet werden kann. Mit dem Einsatz verschiedener Brennweiten in Abhängigkeit vom Aufnahmeformat können Sie die räumliche Darstellung von Objekten verändern. Klingt zwar sehr theoretisch, funktioniert aber praktisch ganz einfach. Folgendes ist bei der perspektivischen Darstellung zu beachten: Die Aufnahmedistanz zum Motiv verändert sich. Dabei soll das Motiv aber auf allen Fotos gleich groß abgebildet werden. So kommen die unterschiedlichen Brennweiten zum Einsatz.
Kurze Brennweiten: Kurze Brennweiten vermitteln dem Betrachter das Gefühl von Größe und Weite. Die Räumlichkeit der Perspektive wird betont. Analog zum Kleinbildformat gelten Brennweiten bis 35 Millimeter als »kurz«.
Beispiele:

Normalbrennweite: Die Normalbrennweite kommt dem menschlichen Sehempfinden am nächsten. Perspektivisch gesehen, rücken Vordergrund und Hintergrund näher zusammen. Das räumliche Sehen verändert sich zu einer kompakteren Sichtweise. Als Normalbrennweite werden beim Kleinbildformat Objektive um die 50 Millimeter bezeichnet.
Beispiele:

Lange Brennweiten: Lange Brennweiten verdichten die räumliche Darstellung. Vordergrund und Hintergrund rücken noch näher zusammen. Der lange Brennweitenbereich beginnt beim Kleinbildformat ab 80 Millimetern.
Beispiele:

Tipp: Überlegen Sie zunächst wie Ihre Bildaussage durch den Einsatz verschiedener Perspektiven unterstützt wird. Wählen Sie dann die entsprechende Brennweite und dann den Aufnahmestandort.
Welche Brennweite ist normal?
Das Normalobjektiv zeigt Motive, wie das menschliche Auge sie wahrnimmt. Um berechnen zu können, welche Brennweite als normal gilt, muss zunächst das Filmformat ermittelt werden. Bei einer Kleinbildkamera beträgt das Filmformat, also die Fläche eines Negatives, 24 x 36 Millimeter. Um Bildwinkel und Brennweite in Relation setzen zu können, wird zunächst die Diagonale des Filmformats berechnet. Hier hilft der gute alte Satz des Pythagoras: Die Wurzel aus Länge zum Quadrat plus Breite zum Quadrat ergibt die Länge der Diagonalen. Kurz nachgerechnet beträgt diese beim Kleinbildfilm etwa 43 Millimeter. Ein 43-Millimeter-Objektiv existiert aber nicht und deshalb wird die nächste größere Festbrennweite das 50 Millimeter als Normalobjektiv bezeichnet. Objektive mit einer vergleichbaren Brennweite zeigen einen »normalen« Bildwinkel, der dem des menschlichen Auges entspricht. Kürzere Brennweiten ergeben größere genutzte Bildwinkel, auf dem Negativ ist dann im Vergleich zur Normalbrennweite mehr zu sehen (Weitwinkel), längere Brennweiten liefern eine vergrößerte Abbildung eines Motivs.
Normalbrennweite Digital
Was beim analogen Film die Fläche eines Negativs, ist bei der digitalen Kamera die Fläche des CCD-Sensors. Und da liegt auch die Crux. Während das analoge Kleinbild-Aufnahmeformat immer gleich ist, weisen Sensoren in Digitalkameras unterschiedliche Größen auf. Diese liegen zwischen ein Viertel Zoll bei kleinen Kompaktkameras bis knapp einem Zoll bei hochwertigen Modellen. Bei digitalen Kompaktkameras liegt, nach der Berechnung durch den Satz des Pythagoras, die Diagonale des Sensors bei 8 bis 12 Millimetern und beträgt somit rund ein Fünftel der Länge verglichen mit Kleinbild. Bei einer Diagonale von 8 Millimetern, wäre das Normalobjektiv in diesem Fall also ein 8-Millimeter-Objektiv, bei einer Diagonalen von 11 Millimetern würde entsprechend ein 11-Millimeter-Objektiv als »normal« angesehen werden.
Tipp: Machen Sie Sich die Mühe und berechnen Sie einmal die Normalbrennweite Ihrer Digitalkamera. Die Angaben auf dem Objektiv geben aufgrund der unterschiedlichen Sensorformate keinen Aufschluss über die Normalbrennweite. Nur wenn Sie die Normalbrennweite kennen, können Sie bei der Bildgestaltung bewusst Tele- oder Weitwinkeleinstellungen einsetzen.
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